Diözese mit positiver Zwischenbilanz im Dialog- und Erneuerungsprozess

05.11.2012

Eine positive Zwischenbilanz haben Bischof, Diözesan- und Priesterrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart in dem im März vergangenen Jahres von Bischof Gebhard Fürst eröffneten Dialog- und Erneuerungsprozess gezogen.

Heute stehe die württembergische Diözese anders da, als sie in den Prozess unter dem Leitwort "Erneuert euren Geist und Sinn aus der Kraft des Heiligen Geistes" hineingegangen sei, sagte Bischof Fürst am Montag in Stuttgart vor Journalisten in einer Zwischenbilanz nach einer "Zeit zu hören" genannten ersten Prozessphase. In kontroversen Fragen etwa zur Situation wieder verheirateter Geschiedener, der Stellung von Frauen in der Kirche oder der Zukunft von Seelsorgestrukturen zeige sich eine positive Dynamik.
Bischof Fürst betonte, die meisten thematisierten Fragen seien komplex "und nicht mit einem Federstrich zu lösen". Er kündigte für das kommende Frühjahr vier so genannte Regionalforen an. Sie verdeutlichten die nächste Phase im Prozess mit einer Zeit des Innehaltens und Bedenkens. Die Foren finden am 23. Februar in Biberach statt, am 2. März in Stuttgart, am 23. März in Heilbronn und am 11. Mai in Spaichingen. Eingeladen sind dazu Delegierte aus den Dekanaten der Diözese. Eigens eingerichtet wurde für den weiteren Dialog eine Homepage www.zeit-zu-hoeren.de.
Der Leiter der Koordinierungsgruppe des Dialogprozesses, Thomas Fliethmann, berichtete von bisher 230 an den Bischof gerichteten Briefen und 300 teils umfangreichen Dokumenten. Rund 300 Veranstaltungen mit mehr als 7.000 beteiligten Menschen habe die Koordinierungsgruppe registriert; Bischof Fürst habe an über 70 Begegnungen teilgenommen. Den Spitzenplatz in der Themenliste habe die Rolle der Frau in der Kirche belegt. Dahinter verberge sich meist auch die Frage nach dem kirchenrechtlich für Frauen nicht möglichen Priester- und Diakonenamt. Allerdings votiere ein Sechstel jener, die sich zum Thema äußerten, auch gegen eine Öffnung des Amtes für Frauen.
Als vorrangiges Thema habe sich auch das Thema Geschiedene und Wiederverheiratete erwiesen, so Fliethmann. Hier gehe es darum, dass Menschen in einer zweiten Ehe eine volle Teilnahme am kirchlichen Leben, also besonders den Kommunionempfang wünschen, "und das in einer klaren, geregelten Weise". Weiteres sehr häufig angesprochenes Thema sei der priesterliche Pflichtzölibat. Er werde als wichtiger Grund für den Priestermangel kritisiert. Knapp ein Zehntel der Schreiber stufe den Zölibat indes als hohes Gut ein. Als Querschnittsthema bezeichnete der Koordinator das Thema Struktur von Kirche. Hier bündele sich Kritik an hierarchischer Verfassung der Kirche, mangelnder Innovationsfähigkeit und am Verhältnis von Kirchenleitung und Basis. Der Kritik stehe gegenüber, dass die Menschen Kirche etwa in den Gemeinden vor Ort positiv erfahren.
Bischof Fürst hob hervor, dass im Dialog- und Erneuerungsprozess keine Fragen von vornherein ausgeschlossen worden seien, auch wenn jeder wisse, "dass es vom kirchlichen Lehramt geklärte Positionen gibt, die nicht einfach zur Disposition gestellt werden können". Er versicherte, er werde weiterhin und verstärkt dafür sorgen, dass Frauen in der Diözese Führungspositionen übernehmen können. Eine Arbeitsgruppe der Frauenkommission verfolge das Thema; sie habe ihm im September Vorschläge dazu gemacht, wie der Frauenanteil in Führungspositionen erhöht werden kann.
Die Situation von Menschen, deren Ehe gescheitert ist und die in einer neuen Partnerschaft leben, berühre ihn tief, sagte der Bischof. Diese Paare "gehören in die Mitte der Kirche". Die Bischofskonferenz habe eine Arbeitsgruppe zum Thema eingesetzt. Es gehe auch um eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts, damit geschiedene Wiederverheiratete in einem kirchlichen Arbeitsverhältnis bleiben oder in ein solches eintreten können.
Mit Blick auf die Strukturen sagte Bischof Fürst, der Priestermangel erfordere Lösungen, die "Seelsorge nahe bei den Menschen" ermöglichen. Intensiv arbeite die Diözesanleitung an neuen Ideen und Konzepten. Im derzeit laufenden "Projekt Gemeinde" würden Modelle bearbeitet, wie Seelsorge ein jeweils vor Ort passendes Profil bekommen kann. Dazu gebe es Leuchtturmprojekte. Diese an so genannten Lernorten erprobten Modelle, etwa zur Frage der Gemeindeleitung oder einer möglichst profilierten Seelsorge, würden weiter entwickelt und im kommenden Jahr vorgestellt.
Der Sprecher des Diözesanrates, Johannes Warmbrunn, bestätigte auch im Namen des Priesterrates, bei Fragen wie beispielsweise der Übertragung von Weiheämtern, gebe es unterschiedliche Positionen. "Wichtig ist aber: Wir sind bereit, gemeinsam für unsere Kirche Verantwortung zu übernehmen", unterstrich Warmbrunn. Die meisten Chancen für Bewegung sehe er beim Thema des gemeinsamen Priestertums. Erneuerung bedeute für ihn in erster Linie, Verantwortung neu zu verteilen. Konkret erwähnte er mögliche innovative Formen der Beauftragung für Ehrenamtliche, "die in besonderer Weise Führungsverantwortung gemeinsam mit Priestern und hauptberuflich Tätigen übernehmen wollen und können". Eine neue Verteilung von Verantwortung mache nach innen wie nach außen sichtbar, "dass die Gestaltung unserer Kirche nicht Auftrag einiger weniger ist".
Warmbrunn wies darauf hin, dass die Frauen im Diözesanrat eine Initiative zum Thema "Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche" ergriffen hätten. Das Gremium werde Bischof Fürst dazu Positionierungen übergeben. Ebenso sei eine Positionierung zur Seelsorge für konfessionsverbindende Ehepaare und Familien vorgesehen. Diözesan- und Priesterrat würden zudem weiter dafür eintreten, "dass unsere Kirche zu einem angemessenen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen findet". Nach wie vor ungelöste Themen wie die Haltung der katholischen Kirche zur Sexualität, zum Pflichtzölibat der Priester oder zum Diakonat und Priesteramt für Frauen "bleiben weiter auf der Agenda", sagte der Diözesanratssprecher.


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