Burnout in der Pastoral?

20.11.2013

Pastorale MitarbeiterInnen setzen sich mit der Erkrankung auseinander

Auf der Dekanatskonferenz der Pastoralen MitarbeiterInnen am 05.11.13 in Enzweihingen referierte Prof. Dr. Andreas von Heyl, Neuendettelsau, über die Erkrankung "Burnout" in pastoralen Zusammenhängen. "Wie ein Kessel ohne Wasser auf dem Herd" fühlen sich Menschen, die vom burnout betroffen sind, so von Heyl, der sich mit einer Arbeit über die Realität und Prävention des Burnout-Syndroms bei Pfarrer/innen als Professor für Pastoralpsychologie habilitiert hat. Er warnte davor, die Erkrankung als rein individuelles Problem zu sehen und verwies auf deren strukturelle Ursachen: Hohe Arbeitszeit mit Termindruck, hierarchische Strukturen, hoher Erwartungsdruck usw. Nachdenklich stimmte die Zuhörer die These, dass die schwindende Kirchlichkeit der Gesellschaft eine nicht leicht zu verkraftende und andauernde Anfrage und Kränkung des Engagements und der Leistung des/der SeelsorgerIn darstellt. "Was ich mache und wofür ich stehe, interessiert immer weniger Menschen", so der Referent.

In Grundlinien einer professionellen Hygiene im pastoralen Dienst stellte von Heyl vor, wie Pfarrer und Pastorale MitarbeiterInnen auf sich achten und sich vor einem burnout schützen können. Dabei spielen realistischere Bilder über den eigenen Beruf, aber auch ein reflektiertes Gottesbild und eine spirituelle Alltagspraxis zur eigenen Seelsorge (und nicht zur beruflichen Seelsorge für die Gemeinde) eine Rolle.

Im Bild von Rohr und Schale, das bereits Bernhard von Clairvaux im 12.Jahrhundert geprägt hatte, wurde deutlich, wie ein gesunder Energiehaushalt aus Nehmen und Geben gepflegt werden kann:

"Wenn du weise bist, wirst du dich daher als Schale, nicht als Rohr erweisen. Das Rohr nimmt fast zur gleichen Zeit auf und ergießt wieder, was es aufgenommen hat; die Schale aber wartet, bis sie voll ist, und gibt so, was überfließt, ohne einen Verlust weiter. … Wirklich, ‚Rohre‘ haben wir heute in der Kirche in großer Zahl, aber nur sehr wenige Schalen.“  Bernhard von Clairvaux

StvDekan Deckwart dankte am Ende der Konferenz Prof. von Heyl für dessen anregende und wichtige Impulse und bei den ZuhörerInnen, die sich interessiert und sensibel auf das wichtige Thema eingelassen haben.

Die Dekanatskonferenz dient dem Austausch und der Vernetzung der pastoralen MitarbeiterInnen im Dekanat Ludwigsburg. Sie findet 5 x pro Jahr statt. Eingeladen sind rund 100 hauptberufliche MitarbeiterInnen (Priester, Diakone, PastoralreferentInnen, GemeindereferentInnen, SeelsorgerInnen in Ausbildung oder im Ruhestand, LeiterInnen der Einrichtungen im Dekanat). 

Die Präsentationen des Referenten können hier nachgelesen werden (Teil 1 & Teil 2). Sie sind geistiges Eigentum von Prof. Andreas von Heyl. Weitergabe oder Veröffentlichung nur mit Angabe des Autors!


Prof. Andreas von Heyl bei seinem Vortrag

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