Gut versorgt in Würde sterben

23.06.2015

Diözesanrat will Sterbebegleitung statt Suizidbeihilfe

Diözesanräte des Dekanats gut vertreten: v.l.n.r. G.Pennekamp (LB), D.Schmid (Freiberg), D.Noa (LB), R.Schockenhoff (Bietigheim), NN., NN., Bischof G. Fürst

Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart fordert den Deutschen Bundestag auf, die palliative Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen umfassend zu verbessern und strukturell abzusichern und damit ein klares Signal gegen die schleichende Entsolidarisierung zu geben. Jede Form der organisierten Beihilfe zum Suizid soll unter Strafe gestellt werden. Dies erklärte die Katholikenvertretung am Samstag in einer öffentlichen Stellungnahme.

Eine klare Absage erteilte der Diözesanrat der organisierten Beihilfe zum Suizid. Selbstbestimmung im Sterben sei nur gewährleistet, wenn Suizid nicht zu einem von der Gesellschaft erwarteten Normalfall werde. Ärztliche Beihilfe zum Suizid solle weiterhin durch Selbstverpflichtung der Ärzteschaft unzulässig bleiben. „Wer zu seinem Arzt oder seiner Ärztin geht, soll weiterhin sicher sein, Hilfe zum Leben zur erhalten und nicht mit Angeboten der Suizidbeihilfe konfrontiert zu werden“, heißt es in der Stellungnahme des Diözesanrats. Maßnahmen passiver Sterbehilfe wie der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen oder Schmerzlinderung mit Inkaufnahme einer lebensverkürzenden Nebenwirkung seien hingegen, wenn sie am Wohl und Willen der Sterbenden orientiert seien, in bestimmten Situationen sogar moralisch geboten.

Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn hofft, dass der Bundestag bei seiner für den Herbst anstehenden Entscheidung über ein Sterbehilfegesetz dieser Linie folgt und gleichzeitig die Weichen für eine umfassende Verbesserung der palliativen Versorgungsstruktur stellt. „Ich freue mich über den Vorschlag der Bundesregierung, die Zuschüsse für die Hospize zu erhöhen. Gleichzeitig braucht es aber eine deutlich verbesserte palliative Versorgung in der Fläche, bei der Fachkräfte und Ehrenamtliche in örtlichen Netzwerken kooperieren.“ Alle Sterbenden und Schwerkranken müssten Zugang zur Palliativversorgung haben.

Mit fünf stationären Hospizen, elf Kinder- und Jugendhospizdiensten, 42 ambulanten Hospizgruppen in katholischer, 50 in ökumenischer Trägerschaft und den Palliativleistungen der kirchlichen Krankenhäuser und Altenhilfe-Einrichtungen engagiert sich die katholische Kirche im württembergischen Landesteil haupt- und ehrenamtlich für sterbende Menschen. 8,2 Millionen Euro hat der Diözesanrat vergangenen November für den Ausbau der Seelsorge in caritativen Einrichtungen in den Jahren 2015 und 2016 freigegeben. „Unser Engagement ist im wörtlichen Sinn eine Frage von Leben und Tod“, erklärte Bischof Gebhard Fürst bei der Diözesanratssitzung. Berichte von Mitarbeitern belegten die Erfahrung, dass eine gute Begleitung den Wunsch nach Sterbehilfe weitgehend erlöschen lasse. „Die Erfahrung, dass menschliche Nähe und am individuellen Wunsch nach Lebensqualität des Sterbenden orientierte ganzheitliche Betreuung Menschen ermöglicht, ihr Leben in Würde bis zum natürlichen Ende zu leben, motiviert uns in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unser Engagement in diesem Bereich noch zu verstärken“, erklärte Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp, Leiterin der Hauptabteilung Caritas. Zwei neue diözesane Netzwerke stärkten Pflegepersonal und Betroffene: Die Initiative „Netzwerk Ethische Fallbesprechungen gibt Fachkräften mehr Sicherheit im Pflegealltag. Das Projekt „LebensFaden“ bietet Orientierungshilfen für die Patientenvorsorge.


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