Schatzkarten des Lebens entdecken - Forum Kirche am Ort

06.03.2017

Soziale Räume wahrnehmen und mitgestalten

Tafelsilber für alle - Katholische Christen erkunden ihr Umfeld

Die Kirchengemeinden im Landkreis müssen auch Neues wagen, um die Menschen weiter erreichen zu können. Das ist eine zentrale Botschaft der Veranstaltung, zu der das katholische Dekanat am Mittwoch, den 15. Februar 2017 eingeladen hatte. Unter dem Titel „Schatzkarten des Lebens entdecken“ stand das unmittelbare Umfeld der Kirchengemeinden im Zentrum. Über 60 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung ins Ludwigsburger Bischof-Sproll-Haus gefolgt.

Der Tübinger Theologieprofessor Michael Schüßler sagte zu Beginn: „Es ist nicht unsere Aufgabe, nach draußen zu gehen und die Menschen wieder in die Kirche zu holen.“ Das Evangelium sei nämlich keineswegs das Tafelsilber des Christentums. Vielmehr müsse die Botschaft des Evangeliums nach außen getragen werden. Er verwies dabei auch auf das Zweite Vatikanische Konzil. Hier hatte sich die katholische Kirche unter anderem dazu verpflichtet, die Zeichen der Zeit immer neu zu deuten. Heute müssten Christinnen und Christen auch über die Sprache der Verkündigung nachdenken, so Schüßler. Die sei häufig für Außenstehende schwierig zu verstehen.

„Wir müssen andere nicht zum Glauben bekehren, sondern für andere da sein – eben aus der Motivation unseres eigenen Glaubens.“ sagte der Professor. Er erzählte von einer Bamberger Kirche, in der jeden Mittag ein Gebet angeboten wurde. Wegen gefährlicher Risse im Mauerwerk musste die Kirche geschlossen werden. Die Ehrenamtlichen machten kurzerhand aus der Not eine Tugend und stellten eine Kirchenbank in den Park. Dort sitzt seitdem jeden Mittag eine Stunde lang eine Seelsorgerin und steht für Gespräche zur Verfügung – mit großer Resonanz. „Die Menschen machen sich eben viel mehr Gedanken über Gott, als man oft vermutet.“ stellte Schüßler fest.

Dr. Stephanie Goeke von der Caritas ermutigte die Besucher ebenso, sich nicht in den eigenen Kirchenmauern zu verschanzen, sondern den Sozialraum aktiv zu erkunden. „Verschicken Sie keine Fragebögen!“ war ihr Plädoyer. Vielmehr sei es spannend, sich die Stadt in einem Rundgang zum Beispiel von Kindern oder Rollstuhlfahrern zeigen zu lassen. „Der Fokus ist dabei wirklich der Alltag der Menschen.“ Aus dem Satz „Ich will anderen helfen“ müsse dann nach und nach der Satz „Ich will mit anderen etwas gestalten“ werden.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten gleich eine Methode ausprobieren: Auf der Karte ihrer Seelsorgeeinheit sollten sie unter anderem die Orte markieren, die sie gerne besuchen. Dies sei eine gute Methode, um mit den Menschen vor Ort ins Gespräch über ihre Bedürfnisse zu kommen. Eine Besucherin meinte begeistert: „Das probieren wir bald bei uns auf dem Wochenmarkt!“

Fotos: Fabian D.Schwarz

Prof. Michael Schüßler
Prof. Michael Schüßler
Dr. Stephanie Goeke
Dr. Stephanie Goeke
Die Teilnehmer mit ihren Schatzkarten.
Die Teilnehmer mit ihren Schatzkarten.
Kirche am Ort

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