Den Blickwechsel Wagen

Lokale Kirchenentwicklung im Landkreis


Erstes Vernetzungstreffen Kiamo im Dekanat am 29. September 2016

Kirche am Ort – Das Projekt in der Praxis

Als Mitglied einer Kirchengemeinde kann man sich heute leicht in Sentimentalitäten verlieren: Früher war eben alles noch ganz anders, die Leute kamen in Scharen in die Gottesdienste, das Gemeindeleben florierte. Dass sich die Lage deutlich geändert hat, spüren viele engagierte Gläubige. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat aus diesem Grund den Entwicklungsprozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht darum, wie die Kirchengemeinden durch noch besseres Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen am Leben erhalten werden können, sondern vielmehr darum, wie mit den Menschen die Botschaft Jesu Christi an verschiedenen Orten durch christliches Handeln wirksam und wahrnehmbar werden kann.
Auch im katholischen Dekanat Ludwigsburg ist dieser Prozess ins Rollen gekommen. Vergangenen Donnerstag luden nun die Verantwortlichen zu einem ersten Austausch- und Vernetzungstreffen ins Gemeindezentrum Freiberg. „Wir wollen die Leute darin bestärken, sich der lokalen Kirchenentwicklung zu stellen“, sagt Dekanatsreferent Alexander Bair. Denn anders als in den übrigen Dekanaten ist die Teilnahme an „Kirche am Ort“ freiwillig. Dass die Gemeinden vor Ort die Herausforderung annehmen, wurde an der großen Resonanz deutlich. Aus allen Seelsorgeeinheiten waren Vertreterinnen und Vertreter dabei, insgesamt kamen über 50 Personen.
In einer Austauschrunde wurde deutlich, dass die verschiedenen Gemeinden vor gleichen Fragen stehen: „Der Weg, den wir als Kirche bisher gegangen sind, scheint nicht mehr zu funktionieren“, bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt. „Und ob der neue Weg richtig ist, wird sich zeigen.“ Und so werden in vielen Gemeinden größere Umfragen gestartet, um herauszufinden, was die Leute heute noch von der Kirche wollen. In der Seelsorgeeinheit Südliches Strohgäu, zu der unter anderem Ditzingen und Gerlingen gehören, wurden die Bürgermeister und Ortsvorsteher zu ihrer Sicht auf Kirche befragt. „Die Analyse des eigenen Sozialraums und die Fremdwahrnehmung sind zentrale Punkte des Prozesses“, sagt Alexander Bair. Er sieht die Gefahr der kirchlichen Selbstoptimierung, wenn Gemeinden lediglich das verbessern wollten, was sie bisher gemacht haben. „Es braucht aber einen echten Blickwechsel, bei dem es nicht darum geht, wie wir unsere Kirche wieder fit machen, sondern darum, wie die Menschen mit dem Evangelium in Berührung kommen.“
Dass dieser Blickwechsel manchmal ganz von selbst kommt, merken viele Kirchengemeinden zum Beispiel durch die Flüchtlingssituation. Lioba Stehmer aus der Seelsorgeeinheit Strohgäu berichtet, wie plötzlich Menschen, die bisher eher kirchenfern waren, sich einbringen wollten, weil es ihnen wichtig war. Doch auch für die Zukunft bleibt die Frage, wie die Kirche am Ort lebendig bleibt, spannend. Die Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg hat ein Haus am Marktplatz erworben, das unter dem Leitbild „Heilsame Begegnungen – Kirche mitten inder Stadt“ als Zentrum und Anlaufstelle für die Bürger in Ludwigsburg entwickelt wird. „Über kurz oder lang müssen wir als Kirche verstärkt dorthin gehen, wo die Menschen sind.“ sagt Diakon Gebhard Altenburger von der Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg.
Dekan Alexander König ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Abschluss, weiter ihre Kirche vor Ort mit verschiedenen Farbtupfern zu gestalten. „Es geht gerade mal nicht um die Frage, wie man einen Bass für den Kirchenchor findet oder wie wir die Kirchen vollkriegen. Jetzt haben wir die große Chance, unsere Kirche so zu gestalten, wie wir sie wollen.“
Das Dekanat Ludwigsburg ist die mittlere Ebene zwischen dem Bischof und den Kirchengemeinden im Landkreis Ludwigsburg. Es umfasst 45 Kirchengemeinden mit über 115.000 Katholikinnen und Katholiken. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Koordination der Seelsorge, die Vernetzung der Akteure und die Vertretung der katholischen Kirche in Politik und Gesellschaft.

Fotos und Text: Fabian D. Schwarz

 
 
 

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