Mittendrin und doch nicht dabei? Bildung und Teilhabe im Paket - Was kommt bei den Menschen an?

Am Montag 27.02.12  fand im Rahmen der Vesperkirche ein Podiumsgespräch zur sozialen Teilhabe in unserer Gesellschaft in der Friedenkirche statt:
Wie können wir Teilhabe in unserer Gesellschaft sinnvoll und menschenwürdig ermöglichen?

Vor schleichender gesellschaftlicher Ausgrenzung von Menschen in Not warnt die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sie beobachte eine Vergötterung des Begriffs der Selbstbestimmung zu Lasten gesellschaftlicher Teilhabe, stellte die Leiterin der Hauptabteilung Caritas der Diözese, Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp, am Montag in Ludwigsburg beim Ökumenischen Sozialforum „Mittendrin und doch nicht dabei!“ fest. Gelingende Teilhabe setze den Ausbau von Rechten voraus, wie das Kinderschutzgesetz aktuell belege. Voraussetzung für mehr Teilhabe sei auch, Menschen mit Hilfebedarf Wahlmöglichkeiten zu bieten, betonte Stetter-Karp.

Vor diesem Hintergrund sieht die Ordinariatsrätin den stetigen Ausbau von Tafeln sozialpolitisch kritisch als Indiz für eine Gerechtigkeitslücke. Dies schmälere die die respektable Leistung der rund 1.000 ehrenamtlich Tätigen in so genannten Tafeln im Raum der Diözese Rottenburg-Stuttgart in keiner Weise. Die Gerechtigkeitslücke indes dürfe nicht toleriert und totgeschwiegen werden. Stetter-Karp verlangte bei der Tagung mehr Anstrengungen für Bildungsgerechtigkeit, Inklusion behinderter Menschen im Alltag sowie für Chancen gering Qualifizierter auf dem Arbeitsmarkt. Es sei ein Skandal, an den sich die Menschen nicht gewöhnen dürften, dass arme, behinderte und gering qualifizierte Menschen im reichen Deutschland nach wie vor ausgegrenzt seien.

Der politische Hebel für Vermeidung von Ausgrenzungsprozessen sei bereits früh anzusetzen, betonte Stetter-Karp. Weil die Förderung von Kompetenzen mit entscheidend sei für das Maß an gesellschaftlicher Teilhabe, müsse bereits in der Kindheit Chancengleichheit bei der Bildung hergestellt werden. In diesem Zusammenhang forderte die promovierte Sozialwissenschaftlerin mehr Augenmerk für die Fragen der Qualität beim Ausbau von Kindertagesstätten, eine Beteiligung des Landes beim Aufbau von Familienzentren, um mehr Kindern nachhaltig Zukunftschancen zu eröffnen. „Wir brauchen mehr Bildungsgerechtigkeit in unserem Land.“ Dringend sei die enge Verbindung zwischen gesellschaftlicher Schicht, elterlichem Milieu und Bildungsabschluss jetzt aufzubrechen. 

Das ökumenische Sozialforum ist eine Initiative von Diakonie und Caritas, des Katholischen Dekanats und der Ev. Hochschule Ludwigsburg.

Zum Presseartikel der Ludwigsburger Kreiszeitung vom 29.02.2012.
Weiterführender Artikel zum Thema aus der LKZ vom 29.02.2012.

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Dr. Irme Stetter-Karp

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