Offener Brief zur Situation der katholischen Kirche

von den hauptamtlichen Mitarbeitern und Pastoral- und Kirchengemeinderäten in Bietigheim-Bissingen

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Gebhard Fürst, sehr geehrte Weihbischöfe, Herr Matthäus Karrer, Herr Thomas Maria Renz und Herr Dr. Gerhard Schneider,

uns schmerzt und verunsichert die Situation der katholischen Kirche!

Wir benötigen Ihre Hilfe!

Wir, das sind alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Gesamtkirchengemeinde und die Pastoral- und Kirchengemeinderäte der katholischen Kirche Bietigheim-Bissingen der Gemeinden St. Johannes, St. Laurentius, Zum Guten Hirten, Il Buon Pastore und Sveti Franjo Asiski.

Wir benötigen Ihre Hilfe!

Benötigen kommt von Not: Wir wissen nicht mehr weiter, uns geht die Kraft aus uns bei Freunden und Bekannten zu rechtfertigen, warum die katholische Kirche, zu der wir immer noch gehören, die Zeichen der Zeit nicht erkennt und sich bei bestimmten Themen nicht bewegt. Wir führen sie hier noch einmal auf, obwohl die Argumente bereits lange bekannt sind und bereits zu lange diskutiert werden:
Die Diskriminierung von queeren Menschen und Wiederverheirateten, die Gleichstellung der Frauen in der Kirche - auch als Priesterinnen - und die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.
Wir empfinden die katholische Kirche als lethargisch, lügend, ignorant und mit einer Doppelmoral agierend. Es findet Machtmissbrauch statt und das nicht nur beim Kindesmissbrauch oder sexualisierter Gewalt.

Wir benötigen Ihre Hilfe!

Nur Sie als Bischöfe können jetzt etwas daran ändern. Es fehlt die Wertschätzung der Gläubigen, die Missstände der katholischen Kirche wirken sich negativ auf die Gemeinden vor Ort aus, Haupt- und Ehrenamtliche werden mit den Folgen alleingelassen. Es scheint unüberwindbare Hürden zwischen uns an der Basis und der Amtskirche zu geben.
Sie haben vielleicht jetzt die letzte Chance das angeschlagene Kirchenschiff wieder auf Kurs zu bringen, die Austrittswelle zu stoppen und uns als Ehrenamtliche in der Kirche zu halten.

Wir benötigen Ihre Hilfe!

Weil wir hilflos, traurig und wütend sind und weil wir Angst vor der unsicheren Zukunft der katholischen Kirche haben. Wir Ehrenamtliche fühlen uns ausgenutzt, es findet eine Schein-partizipation statt, wir fühlen uns nicht gehört.
Das Evangelium soll im Zentrum stehen, tut es aber nicht mehr. Der Heilige Geist und sein Feuer fehlen vielerorts - auch in den Gottesdiensten.

Es fehlt an Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Mut die Probleme anzugehen und diese schnell und wahrhaftig zu lösen.
Ja, Sie werden an Macht verlieren. Ja, Sie müssen akzeptieren, dass Frauen als gleichwertige Mitglieder auf Augenhöhe die katholische Kirche mitgestalten und ja, es geht nicht darum, eine andere Kirche zu schaffen, sondern eine Kirche, die anders ist - aber ja, genau das wollen wir.

Mit freundlichen Grüßen

die Hauptamtlichen Mitarbeiter und Pastoral- und Kirchengemeinderäte aus Bietigheim-Bissingen